Ausprobiert

Amazon-Smartphone im Test: Fire Phone mit 3D-Display enttäuscht im Alltag

Mit dem Fire Phone hat Amazon sein erstes Smartphone auf den Markt gebracht. Es will mit Gimmicks wie einem 3D-Display, der Scan-Funktion FireFly und Gestensteuerung punkten. In Deutschland gibt es das Fire Phone nur mit Telekom-SIM-Lock. Wir haben das Amazon-Smartphone getestet.
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Jahrelang gab es Spekulationen um das erste eigene Smartphone von Amazon, bevor es im Juni dieses Jahres offiziell vorgestellt wurde. Seit gut zwei Wochen ist das Fire Phone genannte Gerät nun in Deutschland zu haben. Nachdem wir uns das Smartphone in einem Hands-On ansehen konnten, folgt nun der ausführliche Test, in dem wir unter anderem die neuen Funktionen Firefly, die 3D-Ansicht und das außergewöhnliche Menü-Design näher betrachten. Wie das Amazon Fire Phone im Test abschneiden konnte, lesen Sie im Folgenden.

Zwischen Gummi, Glas und Lücken

Fire Phone kommt mit 4,7-Zoll-Display und außergewöhnlichem MenüSmartphone kommt mit 4,7-Zoll-Display und außergewöhnlichem Menü
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Sowohl die Front als auch die Rückseite des Telefons ist mit Gorilla Glass 3 überzogen, was das Fire Phone vor Kratzern schützen soll. Die dritte Generation des Spezialglases von Corning ist im Vergleich zum Vorgänger nochmals bruchfester und soll somit bei kleinen Stürzen größeren Schaden verhindern. Als Kontrast zur oftmals rutschigen Glasoberfläche ist der aus Metall bestehende Gehäuserand des Fire Phone mit einem gummierten Material überzogen worden, was für einen sicheren Halt des Telefons in der Hand sorgt.

Schade ist allerdings, dass der Übergang vom Glas zum Rand nicht ganz gelungen ist. Zwischen beiden Materialien besteht eine kleine Lücke, die zum einen dazu führt, das sich Staub und Schmutzpartikel ablagern, die zum anderen aber auch scharfkantige Ränder hat. Abgesehen davon gibt es bei der Verarbeitung nichts zu beanstanden: Der SIM-Karten-Einschub für die Nano-SIM fügt sich perfekt in den Rahmen ein und auch die vier Tasten an den Seiten (Start, FireFly und Lautstärke) sind solide verbaut.

Rückseitedes Fire Phone  ist wie die Vorderseite mit Gorilla Glass 3 überzogenRückseite des Fire Phone ist wie die Vorderseite mit Gorilla Glass 3 überzogen Mit einer Diagonale von 4,7 Zoll hat das Fire Phone eine angenehme Größe von 139,2 mal 66,5 Millimeter. Doch mit 8,9 Millimeter Dicke gehört das Smartphone von Amazon definitiv nicht zu den schlanken Geräten auf dem Markt. Hinzu kommt, dass das Gerät satte 160 Gramm auf die Waage bringt und somit den Eindruck eines "Pummelchens" noch unterstützt.

Display: HD muss reichen

Amazon hat beim Fire Phone auf ein Full-HD-Display verzichtet. Stattdessen löst der IPS-Screen nur 1 280 mal 720 Pixel auf und bietet bei einer Displaydiagonale von 4,7 Zoll eine Pixeldichte von 320 ppi - ein stabiler Wert. Die HD-Auflösung reicht für gewöhnliche Smartphone-Aufgaben vollkommen aus und auch bei Spielen und vor allem bei der Wiedergabe von Videos über Amazon Prime Instant Video konnten wir keine Qualitätsmängel feststellen. Das Fire Phone punktet zudem durch eine sehr gute Blickwinkelstabilität, die dazu beiträgt, dass sich die Farben des Bildschirms selbst bei sehr schräger Draufsicht nicht verändern. Die Helligkeit des Screens kann angepasst werden, wobei das Gerät im Modus automatische Helligkeit aber manchmal etwas zu abrupt nachregelt.

Keine Google-Anwendungen im Amazon App Shop, dafür 3D-Ansichten

Amazon Fire Phone
Bereits beim ersten Blick auf das Fire Phone fällt eine Besonderheit auf. Neben der Frontkamera befindet sich an allen vier Ecken des Gerätes jeweils eine weitere Kamera-Linse mit Infrarot-LED. Diese sind nicht für die Aufnahme von Bildern gedacht, sondern dienen dazu, der Kopfbewegung des Nutzers zu folgen und somit 3D-Darstellungen auf dem Display zu ermöglichen. Amazon nennt dies Dynamic Perspective.

Der Sperrbildschirm gibt einen ersten Einblick auf die dreidimensionale Darstellung. Schwenkt der Nutzer das Fire Phone, kann er in verschiedene Bereiche des Bildes blicken und erkennt zuvor versteckte Details wie das aktuelle Datum. Zudem wird die 3D-Ansicht bei der Navigation eingesetzt, die auf Nokia Here basiert. Bekannte Gebäude lassen sich durch das Schwenken des Fire Phone aus verschiedenen Perspektiven im Detail ansehen, allerdings nicht im Satelliten-Modus und mit kaum erkennbaren Strukturen - hier gefällt uns die 3D-Darstellung von Google Earth weitaus besser.

3D-Display des Fire Phone zeigt sich auch bei den Amazon Maps3D-Display des Fire Phone zeigt sich auch bei den Amazon Maps Ein Wisch vom unteren Displayrand nach oben entsperrt das Smartphone. Amazon hat für das Fire Phone wie schon für seine Tablets der Kindle-Fire-Reihe eine ganz eigene Oberfläche entwickelt. Diese basiert auf Android 4.2.2, hat aber mit dem Google-System nichts mehr gemein. Nutzer haben weder Zugriff auf die klassischen Google-Dienste noch auf den Google Play Store. Apps und Anwendungen werden stattdessen aus dem Amazon App Shop geladen.

Im App Shop von Amazon finden sich die bekanntesten Apps wie WhatsApp, Facebook, Öffi und Co. Allerdings fehlen die gängigen Google-Anwendungen wie YouTube oder Hangouts und auch alternative Browser suchen Nutzer vergebens, da Amazon seinen eigenen Silk-Browser pushen möchte. Ebenfalls nicht für das Fire Phone verfügbar sind Benchmark-Apps von AnTuTu und 3DMark, was im Verlauf des Tests noch eine Rolle spielen wird. Alles in allem bietet der App Shop eine bunte Auswahl an Spielen und bekannten Anwendungen, doch fehlen im Vergleich zum Google Play Store wichtige Inhalte. Darauf müssen sich Nutzer des Fire Phone einstellen, denn auf einen anderen App-Store als den von Amazon haben sie keinen Zugriff. APK-Dateien lasen sich auf dem Fire Phone zwar installieren, können dann aber oftmals nicht gestartet werden oder müssen – wenn sie auf dem Handy laufen - bei jedem Start neu installiert werden.

Gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung des Amazon Fire Phone. Warum dies so ist und wie die Menü-Oberfläche aufgebaut ist, zeigen wir in einem Video. Zudem geben wir dort Details zur Internet- und Telefonie-Qualität.

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