Ausgebremst

Kaum Filme fürs Kindle Fire: Stolperstein für Deutschland-Start

Amazon Deutschland kämpft um Multimedia-Angebote für sein Tablet
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Kaum Filme fürs Kindle Fire: Stolperstein für Deutschland-StartKaum Filme fürs Kindle Fire Derzeit häufen sich die Berichte, die von einem baldigen Deutschland-Start des Kindle Fire in Deutschland sprechen. Das im vergangenen Jahr von Amazon vorgestellte Gerät hat sich zu einem der beliebtesten Tablets in den USA entwickelt. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt das Konzept: Amazon verkauft das Kindle Fire vor allem als Multimedia-Plattform. Serien, Filme, Zeitschriften, Bücher und Musik werden den Kunden teils sogar kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch das Gerät selbst hat mit einem Preis von 199 Euro zum Marktstart Zeichen gesetzt.

Amazon Kindle Fire

In Deutschland steht einer Einführung des Kindle Fire, wie es sie in den USA gegeben hat, allerdings ein wesentlicher Stolper­stein im Weg: die lizenz­rechtlichen Ein­schränkungen der Rechte­inhaber. Für jedes Land müssen die Rechte an den entsprech­enden Medien einzeln gekauft werden - ein Akt, der sowohl Verhandlungs­geschick, Zeit und vor allem auch Geld erfordert. Ralf Kleber, Deutschland-Chef bei Amazon, bringt die Sache im Gespräch mit der FTD auf den Punkt: "Um das Gerät nutzbar zu machen, müssen wir dem Kunden etwas zusammenstellen."

Das derzeitige Multimedia-Angebot von Amazon

Ein erster Schritt ist die Öffnung des Amazon Appstores in Europa. Vor gut einem Monat hat der Online-Händler den Appstore-Start für Deutschland und weitere europäische Länder offiziell bestätigt. Ende des Jahres soll die Software-Plattform für Android-Programme verfügbar sein. Ebenfalls gesichert sind Content-Angebote für das Kindle Fire wie E-Books und Musik, die bereits jetzt in Deutschland zur Verfügung stehen.

Weniger gut steht es um das Filmangebot für das erwartete Kindle Fire. Zwar kaufte Amazon im Januar vergangenen Jahres die Online-Videothek Lovefilm, diese besteht in Deutschland jedoch bislang hauptsächlich aus dem Postversand von DVDs und umfasst nur eine begrenzte Auswahl an Filmen. Bekannte Blockbuster und im Trend liegende Serien sind kaum eingeschlossen. Der gestiegene Bedarf an Streaming-Angeboten hat die Preise an den Rechten in die Höhe schießen lassen - ein umfassender Zukauf an Multimedia-Content wäre für Amazon daher ein Geschäft unvorher­sehbaren Ausmaßes.

Passend zur Multimedia-Offensive, die Amazon mit dem Kindle Fire fährt, wurde die Oberfläche des Tablets stark angepasst. Zwar liegt dem Gerät das Google-System Android zugrunde, dieses wurde aber so stark angepasst, dass von ihm kaum noch etwas zu erkennen ist. Auch den Zugriff auf den Google Play Store hat Amazon in Hinblick auf denen eignen Appstore gesperrt. Gerade diese Tatsache macht das amerikanische Kindle Fire in Deutschland auch so unbrauchbar: Um Apps und andere Inhalte zu laden brauchen Nutzer neben einer amerikanischen IP-Adresse auch eine US-Kreditkarte sowie eine Adresse.

Kindle Fire 2 und Konkurrent Nexus 7

Ein ähnliches Konzept wie Amazon mit dem Kindle Fire fährt auch Google. Erst kürzlich hat der Konzern mit dem Nexus 7 sein erstes Tablet vorgestellt, dessen Verfügbarkeit in Europa zeitgleich bestätigt wurde. Anders als das Amazon-Tablet läuft das Nexus 7 mit einem "echten" Android-System und hat Zugang zum Play Store. Auch die Hardware-Ausstattung übertrifft die des Kindle Fires um Längen - und das bei gleichem Preis.

Branchen­kenner vermuten daher eine weitere Hardware-Offensive von Amazon. Noch in diesem Jahr soll der Kindle Fire 2 mit verschiedenen Display-Größen auf den Markt kommen. Andere sprechen gar von bis zu sechs unter­schied­lichen Modellen des neuen Amazon-Tablets. Bestätigt hat der Online-Händler die Gerüchte bislang nicht. Es bleibt also nur abzuwarten und zu sehen, in welcher Art sich das Kindle Fire in Deutschland präsentieren wird.

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