
Bundesministerin Ilse Aigner (CSU)
Wieder einmal fordern Politiker aus CDU und CSU mehr
Datenschutz von
Google und
Facebook. Während der medienpolitische Kreis der CDU die Speicherdauer von Google-Suchanfragen kritisiert, will Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner den Internet-Konzernen mithilfe der geplanten
EU-Datenschutz-Grundverordnung, wirksamere Schranken auferlegen. Facebook-Nutzer könnten aktuell ihre Privatsphäre nicht ausreichend schützen.
CDU-Medienpolitiker: Google-Suchanfragen nur noch eine Woche speichern
Der CDU-Medienpolitiker Thomas Jarzombek hat sich
dafür ausgesprochen, die Speicherdauer bei der Google-Suche drastisch
zu verringern. Die bisherige maximale Speicherdauer von 18 Monaten
müsse "auf ein weniger bedrohliches Maß" reduziert werden,
"beispielsweise eine Woche", heißt es in einem Papier des
Bundestagsabgeordneten, über das die Wochenzeitung Die Zeit in ihrer
jüngsten Ausgabe berichtet.
Dabei handle es sich um eine Vorlage für den medienpolitischen
Expertenkreis der CDU, sagte Jarzombek heute der
Nachrichtenagentur dpa. Es gebe bisher keinen Beschluss. Der
Expertenkreis sei aber bei seiner Sitzung vor zwei Wochen zu der
Auffassung gelangt, dass diese Diskussion weitergeführt werden müsse.
Das gesamte Leben eines Menschen könne über Suchanfragen
abgebildet werden, heißt es in dem Dokument. "Von beruflichen Themen
über Anfragen zu privaten Problemen, Reiseplanungen bis hin zu
Erwachsenenunterhaltung in der Nacht wird ein Datenbestand über
Menschen aufgebaut, wie es das noch nie gegeben hat. Es ist ein
Datenbestand mit einer ungeheuren Macht, einer Macht, um Menschen zu
kompromittieren, zu erpressen." Daher gebe es hier Handlungsbedarf
für ein staatliches Eingreifen.
Die "Meinungsmacht von Suchmaschinen" müsse demokratischer
Kontrolle unterliegen, fordert Jarzombek. Auch bei Sozialen
Netzwerken wie Facebook bestehe die Gefahr, dass "Datenbestände mit
solch unerhörter Macht" aufgebaut würden.
Google zufrieden mit 18 Monaten Speicherdauer
Eine Google-Sprecherin verwies auf Anfrage darauf, das Unternehmen
bemühe sich, unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden: "Wir
müssen die Daten unserer Nutzer schützen, die Sicherheit unserer
Systeme gewährleisten und gleichzeitig Raum für Innovationen bieten",
erklärte Firmensprecherin Lena Wagner. Eine Anonymisierung der
Cookies - das sind beim Besuch der Webseite gespeicherte Textdateien,
in denen Suchanfragen gespeichert werden - nach 18 Monaten sei da
"ein gutes Maß". Angemeldete Nutzer könnten jederzeit Suchanfragen
entfernen oder die Speicherung unterbrechen.
Bundesverbraucherministerin Aigner will mehr Datenschutz auf EU-Ebene
Unterdessen will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Internetkonzerne Google und Facebook auf europäischer Ebene zu mehr Datenschutz zwingen. Man müsse dafür die europäischen Kräfte
bündeln, sagt Aigner gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" für einen Bericht in der morgigen Ausgabe. 500 Millionen europäische Verbraucher hätten mehr Macht als 80 Millionen in Deutschland. Die CSU-Politikerin verwies in diesem Zusammenhang
auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die derzeit ausgehandelt werde und die auch Firmen mit Sitz außerhalb Europas betreffen soll.
Im Gegensatz zur seit 1995 bestehenden EU-Datenschutzrichtlinie, die erst durch Gesetze auf nationaler Ebene in geltendes Recht umgesetzt wurde, würde die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung unmittelbar in der EU Rechtskraft erlangen und daher zum Teil die bestehenden Datenschutzgesetze in Deutschland ablösen. Laut einer Umfrage im Juli wollte jedoch die Mehrheit der befragten Deutschen nicht auf ein deutsches Datenschutzgesetz verzichten.
Aigner kritisiert im Abendblatt weiter, dass die Voreinstellungen bei Facebook
weiterhin so seien, "dass Nutzer ihre Privatsphäre nicht ausreichend
schützen können". Immer wieder lockere Facebook hinter dem Rücken der
Nutzer die Datenschutz-Einstellungen. Das könne sie als Verbraucherministerin nicht hinnehmen.
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