Drei Monate Kündigungsfrist: LG Koblenz urteilt gegen 1&1
19.12.2012 18:42
Verbraucherzentrale klagte wegen langer Frist bei Verträgen ohne Laufzeit
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 Verträge ohne Mindestlaufzeit, aber mit dreimonatiger Kündigungsfrist: Das stieß den Verbraucherschützern sauer auf
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat den Telekommunikationsanbieter
1&1 wegen dessen Praxis, auch bei Verträgen ohne feste Vertragslaufzeit die Einhaltung einer
dreimonatigen Kündigungsfrist zu verlangen, vor dem Landgericht Koblenz verklagt - und gewonnen
(Az.: 1 O 378/12, Urteil vom 4. Dezember 2012, noch nicht rechtskräftig). Zuvor hatte
sich 1&1 geweigert, seine Bedingungen nach einer Abmahnung durch die Verbraucherschützer zu
ändern.
1&1 Notebook-Flat: Ohne Laufzeit, aber nur mit drei Monaten Kündigungsfrist
Konkret hatte sich die Verbraucherzentrale an den Bedingungen des Datentarifs 1&1
Notebook-Flat gestört. Dieser ist auch ohne feste Vertragslaufzeit, dann aber nur mit
dreimonatiger Frist zum Monatsende wieder kündbar. Nach Ansicht der Verbraucherorganisation ein
Unding: "Mit einer solchen Klausel wird der Wunsch des Kunden und die getroffene Vereinbarung über
einen Vertrag mit kurzer Laufzeit wieder ausgehebelt", kritisiert Dunja Richter, Juristin der
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg das Verhalten des Unternehmens.
Kunden, die einen solchen Vertrag ohne feste Laufzeit auswählten, entschieden sich in der Regel vor
allem deshalb für eine solche Variante, um kurzfristig wieder aus dem Vertrag aussteigen zu können.
Genau das sei bei 1&1 aber nicht möglich, denn das Westerwälder Unternehmen verstecke "im
Kleingedruckten (...) eine Kündigungsfrist von einem Vierteljahr".
1&1 hatte nicht freiwillig eingelenkt
Die Verbraucherzentrale forderte von 1&1 die Streichung dieser Klausel und die Abgabe einer
Unterlassungserklärung. 1&1 wollte dieser Forderung indes nicht nachkommen, so dass es zum
Prozess vor dem Landgericht Koblenz kam. Dieses erklärte die von 1&1 verwendete Klausel nun für
unzulässig. "Wir begrüßen dieses Urteil und hoffen, dass diese Art der Verbrauchertäuschung nun
endgültig ein Ende hat", kommentiert Verbraucherzentralen-Juristin Dunja Richter.
Vorerst keine Änderungen bei 1&1
1&1 betonte auf Anfrage von teltarif.de, das Urteil des Koblenzer Landgerichts sei noch nicht
rechtskräftig und auch nicht vorläufig vollstreckbar. Man prüfe derzeit, ob man Rechtsmittel gegen
die Entscheidung einlegen werde, so 1&1-Sprecher Michael Frenzel. Die 1&1-Mobilfunk-Tarife - auch
die monierte 1&1-Notebook-Flat - sind unterdessen weiterhin zu unveränderten Bedingungen
buchbar, so dass auch für die Variante ohne feste Vertragslaufzeit eine dreimonatige Kündigungsfrist
eingehalten werden muss.
Verbraucherzentrale will weiter gegen entsprechende Bedingungen vorgehen
Die baden-württembergische Verbraucherzentrale hat unterdessen angekündigt, auch gegen
weitere Tarife von 1&1 mit gleichen Bedingungen - auch die 1&1 All-Net-Flat ist in den
laufzeitlosen Vertragsvarianten nur mit dreimonatiger Kündigungsfrist erhältlich - sowie weitere
Unternehmen mit ähnlichen Bedingungen vorzugehen. So habe man auch den Kabelanbieter Kabel BW wegen
einer ähnlichen Klausel abgemahnt - nach Angaben der Verbraucherzentrale bislang ohne Reaktion.
Update: Urteil liegt der Redaktion vor
Inzwischen liegt unserer Redaktion das Urteil im Wortlaut vor. Details dazu entnehmen Sie einer weiteren Meldung.
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